
Fancher Brinkmanns intensive Ölbilder wirken ganz durch ihre Farben, denn Farben provozieren Empfindungen in jedem Menschen, ob bewusst oder unbewusst. Ebenso wie die Natur erscheinen ihre Bilder sanft bis dynamisch oder überwältigend. Dabei sind sie immer ausgewogen und ein harmonisches Ganzes. Die Amerikanerin, die als Architektin gearbeitet hat, lebt und arbeitet seit 1980 als Künstlerin in München. Sie hat viele Ausstellungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und in den USA. Außerdem beteiligt sich mit ihren Bildern an vielen Kunstmessen im In- und Ausland.
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Immaterielle Welten
Wenn wir ein gemaltes Bild betrachten, dann wird unser Blick in der Regel von drei Elementen gefesselt: den Farben, den Formen und dem Motiv, dem Inhalt. Bei Fancher Brinkmann, das werden Sie hier schon selbst festgestellt haben, überwiegen eindeutig die Farben – sie ist eine Farbenmalerin par excellence!
Von ihren Bildern geht etwas Suggestives, ja fast Magisches aus, das mit starker Energie unseren Blick immer wieder anzieht. Auf eine unerklärliche Weise wirken sie uns vertraut und andererseits bewahren sie immer etwas Geheimnisvolles, das man nicht mit Worten packen und erklären kann! Das ist umso erstaunlicher, als diese Bilder rein abstrakt sind, d.h. es gibt nichts Gegenständliches in ihnen, und eine räumliche Darstellung fehlt ebenfalls. Das Einzige, was sie zeigen, sind bunte Farbflächen.
Trotzdem glauben wir in diesen abstrakten Farbfeldern etwas zu erkennen, was uns vertraut ist: Landschaften, Natureindrücke, unendlich weite Ebenen, Wolken und Himmel, die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft, Morgen- oder Abendstimmungen, das Licht zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten. Lauter Naturphänomene also – und die Natur empfinden ja alle Menschen als schön, weil wir sie als harmonisch erleben. Ebenso ausgewogen und harmonisch wirken auch die Bilder von Fancher Brinkmann. Es scheint ein Gleichgewicht zwischen allen Teilen in den Bildern zu herrschen. Nichts stört die Balance darin, sie wirken wie eine stimmige Einheit.
Fancher Brinkmann verzichtet darin weitgehendst auf die Form, die nur noch als verwischte Flächen und ausfransende Felder vorkommt, und setzt fast ausschließlich auf die Wirkung von Farbe. Farben aber lösen in jedem Menschen – ob bewusst oder unbewusst – Empfindungen und Gefühle aus. Die Künstlerin ist überzeugt, dass jede und jeder in einem abstrakten Bild etwas Anderes und Spezielles sieht, was seiner momentanen Lebenssituation entspricht. Ihre Farbflächen und -felder werden also sozusagen zur Resonanzfläche des Betrachters, der darauf seine momentanen Gefühle projizieren kann: Lebenslust, Glück, Fröhlichkeit, Leichtigkeit, Harmonie, Zufriedenheit, aber auch Wut, Trauer oder Depressivität.
Ihre Bilder sind ja auch nicht das Ergebnis konkreter Überlegungen oder gar bewusste Konstruktionen, sie entstehen vielmehr in ihrer Seele, entspringen ihrer Phantasie. „Beim Malen“, hat sie mir erzählt, „bin ich ganz abgeschaltet von der Welt, ich versuche an nichts mehr zu denken. Je weniger ich denke, desto besser wird ein Bild.“ Aber versuchen Sie mal, an nichts zu denken, dann wissen Sie, wie schwer das ist.
Für ihre Bilder verwendet sie Ölfarben, weil diese Technik mehr Veränderungen beim Entstehen eines Bildes zulässt. Ölfarben trocknen langsamer als das heute gängige, aber viel stumpfere Acryl, man kann sie deshalb in den feinsten Nuancen mischen und auf diese Weise die zartesten Farbeffekte erzielen. Dünne Lasuren machen ihre Bilder zu aus sich heraus leuchtenden Farbkörpern von großer Tiefe, die manchmal auch dreidimensional und reliefhaft wirken, wenn die Farbe mit der Spachtel aufgetragen wird.
Wer sich auf ihre Bilder einlässt, erkennt, wie vielschichtig und tief gehend diese Kunstwerke sind. Und „viel-schichtig“ meine ich ganz wortwörtlich, denn viele ihrer Gemälde bestehen aus bis zu 20 Malschichten übereinander, die in einem lang dauernden Malprozess aufgetragen werden. In einem Arbeitsprozess, der sich über viele Monate hinziehen kann, entstehen die unterschiedlich großen Leinwandbilder ohne Vorzeichnung. Nur am Anfang wird das Bild in farbige Flächen aufgeteilt, um Ordnung zu schaffen und nicht uferlos zu werden.
Ihre Bilder sind ohne Zentrum, sie fixieren nichts. Viele entwickeln sich zwar aus der dunklen Farbe, aber es gibt keine düsteren Bilder bei ihr. Oft findet sich in ihnen das gleiche Prinzip: Unten stehen mehr dunklere Farben, wie eine Basis oder ein Fundament, und nach oben zu hellen sich die Farben immer mehr auf. Nur selten dreht sie dieses Prinzip auch um. Überhaupt spielt bei allen ihren Bildern das Licht eine große Rolle. Und dieses Licht scheint die Materie in reine Energie zu verwandeln – wie wenn es die Tore zu einer anderen, immateriellen Welt öffnen würde.
Mit ihren Bildern gelingt ihr etwas, was nur sehr schwer und nur von wirklich großen Könnern zu erreichen ist: Allein mit Farbe und Licht schafft sie räumliche Weite, ohne auf das malerische Hilfsmittel zurückgreifen zu müssen, mit dem die Maler seit der Renaissance Raum darstellen – die Zentralperspektive. Es sind aber keine realen Räume in ihren Bildern, sondern eher atmosphärische Räume, die nicht mehr an die Materie gebunden sind. Es sind „vorübergehende“ Räume, die geistige Zustände widerspiegeln.
So schafft sie „offene“ Bilder, sowohl von der Form als auch vom Inhalt her. Und es sind Bilder an der Grenze zwischen Realität und Mysterium: noch an die Materie gebunden und doch schon über sie hinausgehend. Von der Last der Realitäts-Abbildung befreit, scheinen diese Bilder in einer Art Zwischenreich zu schweben. Und damit sie nicht ganz abheben und in esoterische Sphären entschwinden, hat Fancher Brinkmann ihnen Titel gegeben, die sie noch in unserer irdischen Welt verankern.
Ihre Bilder erinnern an den britischen Maler William Turner mit seinen atmosphärischen Seestücken und Hafenansichten – aber sie geht weit darüber hinaus, indem sie jeden Realitätsbezug weglässt. Am meisten beeinflusst aber hat sie der amerikanisch-russische Maler Mark Rothko: „Das Einfache, das Schwebende, die Farben in seinem Werk, all das hat mich zum Malern gebracht“, sagt sie.
Studiert aber hat sie etwas ganz anderes, nämlich Architektur. In Alabama geboren und aufgewachsen in Chicago, hat sie zwei Jahre zwar Kunst in Tennessee studiert, ist dann aber zur Architektur gewechselt und hat zehn Jahre lang als Architektin gearbeitet. Seit 1980 lebt sie in Deutschland, davon die letzten 20 Jahre in München, und ganz der Malerei verschrieben hat sie sich erst seit 1994, um endlich ausschließlich das tun zu können, wofür sie brennt – zu malen.
Man kann diese Bilder nicht einfach neutral anschauen und schon gar nicht nur mit dem Kopf, denn allein die Farben lösen in uns schon die unterschiedlichsten Gefühle aus! Und Gefühle sind ja das Elementarste, was ein Mensch empfinden kann. „Meine Bilder“, hat sie einmal verraten, „bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Größenwahn und totaler Verzweiflung!“ Das bedeutet: Sie malt aus dem Gefühl heraus. Und das spürt sofort in ihren Bildern! Fanchers Bilder wirken deshalb so intensiv, weil sie aus ihrem Innersten kommen. Sie offenbart sich selbst darin, legt offen, was in ihr vorgeht, entweder im momentanen Augenblick beim Malen, oder was sie in ihrem Leben schon erlebt hat und durch die Malerei nun neu belebt.
Fancher Brinkmanns Bilder eröffnen neue, nie gesehene Welten, die wie flüchtige Erscheinungen kurz auftauchen und sichtbar werden – aber nur für einen Moment, der im nächsten Augenblick schon wieder vorbei sein kann. Es sind vorübergehende Zustände, die kurz aufleuchten, um dann wieder zu verschwinden oder sich zumindest wieder zu verändern und andere Erscheinungsweisen anzunehmen.
Es sind gemalte Seelenzustände, die uns eine Ahnung davon vermitteln, dass es noch mehr gibt als das, was wir in unserer materiellen Welt wahrnehmen.









