
Gabriele Musebrink geht es um das Herausfiltern des Essentiellen. Sie begibt sich in einen Kommunikationsprozess mit ihrem Material. Sie bringt Flächen in Bewegung und verschiedene Materialien in Spannung zueinander, bis die Oberfläche reißt. Die Künstlerin vertraut sich ganz dem Werdeprozess an, lässt sich vom Material der Farben leiten und gibt dem verwendeten Material Raum mitzugestalten. Bei Gabriele Musebrink sehen wir den machtvollen gestischen Eingriff, wir werden in die Urwelt der Bildentstehung geführt und die räumliche Wahrnehmung wird haptisch greifbar und reliefartig erlebbar.
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Intuitive Prozessmalerei
Gabriele Musebrink geht es um das Herausfiltern des Essentiellen, um das, was hinter der Erscheinung steht. Vor 30 Jahren gab es einen Moment, in dem ihr klar wurde was ihre Thematik ist, denn sie fragte sich, wieso sie beim Arbeiten ständig Dinge entstehen ließ und wieder zerstörte. Sie arbeitete gerade an einem Bildobjekt und nach einem starken Reibungsprozess stiegen in ihr innerlich Worte hoch, die ihre künstlerische Thematik zusammenfassen: „Werden und Vergehen.
Ihre Bilder sind seitdem Ausdruck von Transformation, Morphologie in der Malerei, sie ist eine Widerspiegelung natürlicher Lebensprozesse und ein Aufspüren der zu verwendenden Materialien sowie der Technik im Prozess des Malens. Ihre Liebe gilt natürlichen Materialien mit Eigenleben. Sie entwickelt ihre ganz eigene künstlerische Sprache und Ausdrucksform weiter, gegründet in der informellen Kunst und doch darüber hinaus gehend.
Der Malprozess, der sich meist explosiv gestaltet, ist als Fortsetzung des vorangegangenen Prozesses zu betrachten. Die technische Vorgehensweise ist diesem Prozess unter geordnet. Sie begibt sich in einen Kommunikationsprozess mit ihrem Material. Sie bringt Flächen in Bewegung und verschiedene Materialien in Spannung zueinander, bis die Oberfläche reißt. Die Künstlerin vertraut sich ganz dem Werdeprozess an und gibt dem verwendeten Material Raum mitzugestalten.
Für die Umsetzung ihrer Themen hat sie eine eigene Technik gefunden. Das besondere und neue in ihrer Arbeitsweise ist, dass sie in das Nasse hineinarbeitet. Dabei sind die verwendeten Materialien einerseits traditionell, wie schwarze Tusche, Pigmente gebunden mit Öl oder pur, Schellack und Wachs, andererseits verwendet sie unorthodoxes wie Erden, die sie selbst in unterschiedlichen Regionen gesammelt hat, und Baumaterialien wie z. B Schiefermehl. Der pastose Farbauftrag schafft eine plastische, reliefhafte Oberfläche, der an wüste Erdlandschaften erinnert und von Erosion zerrissener Gebiete, auch durch ihre Farbigkeit, die durch die Verwendung von Erde, Sand und Mineralien entsteht.
Von der Natur inspiriert, geht es der Malerin um das, was hinter der Erscheinung steht. Dadurch entsteht die kraftvolle, tiefgründige und doch freudvolle Vitalität ihrer Bilder. Durch die Oberflächen bewegen sich ihre Arbeiten zwischen der Zweidimensionalität der Bildfläche und der Dreidimensionalität der Materialformen. Dass sich das Malmaterial in Bildern bemerkbar macht, ist in der Moderne entstanden, denn bis dahin wurde es beinahe unsichtbar im Hintergrund gehalten. Mit dem Beginn der Moderne wurde Farbe reliefhaft fast plastisch aufgetragen und der Pinselstrich oder die Verwendung des Spachtels wurde deutlich. Künstler wie Picasso und Braque verwendeten Papp- und Holzstückchen.
Bei Gabriele Musebrink sehen wir den machtvollen gestischen Eingriff, wir werden in die Urwelt der Bildentstehung geführt. Die räumliche Wahrnehmung wird haptisch greifbar und reliefartig erlebbar. Der Prozess wird zeitlich auf beinahe archäologische Weise nachvollziehbar, die Schichten von nassen und trockenen Bindemitteln und Baumaterialien, der Moment, in dem Pigmente eingestreut wurden, das Auftragen und Entfernen. Das Ergebnis sind Bilder, die an die Oberfläche von ausgetrockneten Landschaften erinnern, an Erosionsrisse und Lavaflüsse. Andere wirken wie die Oberfläche von Felsen, die von unterschiedlichen Jahreszeiten und Einflüssen gezeichnet sind.
Gabriele Musebrinks Bilder stehen in einer langen Tradition, in der Künstler wie Willi Baumeister und Emil Schumacher die Formkräfte irdischer Materialien sichtbar machten. Baumeister experimentierte mit Dispersionsfarben und mit Malgründen und Emil Schumacher war nach dem Ende des 2. Weltkrieges einer der Erforscher des Informels.Die Künstlerin kommt in ihrer Entwicklung vom schwarz-weiß her, und so kommt zu der meist erdigen Farbigkeit der Bilder oft ein tiefes Schwarz hinzu, das Gabriele Musebrink als „Zenstrich“ bezeichnet, der nicht änderbar ist und kraftvoll das Bildgeschehen bestimmt.
Mehrere Werkreihen der Malerin sind inspiriert von Reisen, wo sie intensiv und intim der Natur begegnet. Die Himalaya Reihe entstand nach einer Tour der Künstlerin, bei der es um Leben und Tod ging. Sie hat während dieser Reise eine Verbindung zu der Farbigkeit der Tibeter gefunden, die auch die Verwendung von Gold einschließt. In der Bhutan Reihe kommt das Thema Transparenz zum Ausdruck und sie verwendet neben Sumpfkalk und Pigmenten auch Wachs.
Außerhalb von Zeit und Zeitgeist also, ebenso wie außerhalb von (kunstgeschichtlichen) Kategorisierungsversuchen behandelt und reflektiert das Werk Musebrinks die universalen Gesetzmäßigkeiten und Fragen des Menschen.So wie wir in der Zeitspanne von Leben und Tod verschiedene Stadien, Phasen und Prozesse erleben, in denen sich fortwährend etwas verändert, weil Leben Bewegung und also Wandel bedeutet, sind die Bilder Gabriele Musebrinks das momentane Resultat aus Spuren und Transformationsprozessen. Jede einzelne ihrer Arbeiten ist ein Kondensat aus einem einmaligen und nicht wiederholbaren Augenblick.
Sie entscheidet sich bewusst für eine Arbeitsweise in er sie sich völlig auf den Moment verlassen muss. Sie sagt selbst:
„Nicht ich zähle dann, sondern das, was sich durch mich ausdrückt und sich zeigen will und Gestalt wird. Nicht mehr und nicht weniger. Die Spur, die in mir zurück bleibt, ist einfach Stille und Freude.“
Zart, entrückt, vieldeutig, aber kraftvoll, impulsiv, entschlossen – charakteristisch für die Arbeiten von Gabriele Musebrink ist, dass sie stets beide Pole reflektieren, dass sie weder die eine noch die andere Seite außer Acht lassen. Durch ihr beständiges Hin- und Herwechseln von der einen auf die andere Seite reproduzieren sie ihre Einheit als ein Ganzes fortwährend neu. Jede einzelne ihrer Arbeiten ist somit ein zu diesem einmaligen und nicht wiederholbaren Augenblick geronnenes Kondensat, das allein jetzt seine Gültigkeit besitzt.
| Vita | |
| 1955 | in Essen geboren |
| 1975 | bis 1983 Kunststudium an der Folkwangschule in Essen-Werden und an der Universität-Gesamthochschule Essen; Abschluss bei Prof. Sturm und Prof. Gräsel, Bereich freie Grafik, Fotografie, Plastik und Rauminstallation |
| ab 1983 | freiberufich als Grafikerin und Künstlerin, Ausstellungsgestaltung für das Bistum Essen, die Alte Synagoge Essen, archäolog. Museum Altenessen u.a. |
| 1984 bis 1992 | fest angestellte Ausstellungsgestalterin im Ruhrlandmuseum Essen mit den Schwerpunkten Rauminszenierung und Grafik |
| seit 1992 | ausschließlich freischaffende Künstlerin und Gestalterin, wohnhaft in Essen und bis 2002 in Montescudaio (Italien) |
| 1996 | Gründung der Hofwerkstatt in Essen mit eigener Kunstschule Musebrink, eine Kultureinrichtung für Kunst und fernöstliche Bewegungs- und Konzentrationsdisziplinen |
| seit 2004 | öffentliche Kunstdemonstrationen sowie erweiterte Seminartätigkeit in Witten, Münster, Düsseldorf, Hamburg, Nürnberg, München-Forstinning, Bad Reichenhall, Amsterdam (NL), Sauve (F), Wien (AU), Herisau, Horgen bei Zürich, Unterentfelden und Münchwilen (CH) sowie in Italien (Piemont und Toskana) und Frankreich (Ardèche) u.v.m |
| Ausstellungen (Auswahl) seit 1995 | |
| 2018 |
Galeria Stara Prochownia, Warschau (Polen) GALERIE LUZIA SASSEN, Siegburg |
| 2016 | Flow Fine Art Galerie, Hitdorf |
| 2015 |
AAF – Affordable Art Fair Milano, Mailand (Italien) Flow Fine Art Galerie, Hitdorf (D) ‘Kraft des Ursprungs‘ Art3f Paris International Contemporary Art Expo, Paris (F) Asia Contemporary Art Show Hong Kong (China) |
| 2014 |
Galerie 7TIEN49, Nuth/Maastricht (Niederlande) Galerie Edurne, Madrid (ES) |
| 2005 -2012 |
Flow Fine Art Galerie, Hitdorf Artteams, Internationale Ausstellung Oostende (Belgien) „The Art Lounge“ Akademie Mont Cenis, Herne, Maison des Comtes, Sauve (Frankreich) „L‘Art d‘inattendu“ artteams, Coop Bank, St. Gallen (Schweiz) „Pigmente“, Galerie des Nationaltheaters Bukarest (Rumänien) Galerie Aktionsgalerie – Mori Ogai, Berlin Galerie Marin, Den Helder (Niederlande) Galerie OREA, Berlin Stadttheater Luxembourg (Luxemburg) Galerie Kreativ Kontor, Essen Theater im Depot, Dortmund Kulturwerkstatt Kaserne Städtische Galerie des Museum Folkwang zu Gast auf der Zeche Zollverein in Essen RKA Art Gallery in der Grote Kerk in Breda (Niederlande) Kairos New Art Gallery, München „ArtBook“+“Metamorphose“ Kreismuseum Zons, Dormagen Gustav-Heinemann-Haus, Recklinghausen |
| Arbeiten in Sammlungen | |
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Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW Stiftung Abendrot in Basel (Schweiz) Papiermuseum in Bergisch-Gladbach Dauerinstallation im Gartendes Umweltzentrums NRW in Bergkamen Projekt des IBA-Emscherparks Flow Fine Art – Sammlung der Galerie Hitdorf Sammlung Takx, Nuth (NL) Klinikum Ludwigsburg (D)(CH) |







