
Bettina Hachmanns Bilder entziehen sich der Eindeutigkeit, neben Assoziationen an Landschaften mit Schilf und Gräsern im Nebel, erzählen sie Geschichten vom wahren Leben, von Verletzung und Heilung. Mit ihrer ganz eigenen Handschrift aus vielen Arbeitsschritten, wie mehrfachem Farbautrag, Abrieb und Schnitte in die Leinwand, erzielt sie eine besondere Intensität. Es geht ihr um die Annahme der Schattenseiten und um die Schönheit, die im Verborgenen liegt. Seit 1999 ist sie bei zahlreichen Ausstellungen und Messen im In- und Ausland präsent. Ihr Atelier hat die 1967 geborene Künstlerin am Niederrhein im Schloss Wissen.
Weiterlesen
Erdkrusten-Lebenskrusten
In Bettina Hachmanns Werken dominieren die Farben Weiß, Grau und Schwarz. Diese Nichtfarben stehen für eine Phase im Zyklus der Natur, während der Reflexion und Besinnung stattfinden, und ohne die die Geburt neuen Lebens nicht möglich wäre.
Die Künstlerin betont: „Alles Leben, das Keimen, die Befruchtung, entsteht im Dunkeln und Schwarz und Grau sind für mich nicht nur duster oder ein Zeichen von Depression, sondern auch von Reflexion und Besinnung. “
Trotz dieses sparsamen Einsatzes von Farbe wirken die Bilder nicht flächig monoton. Durch Farbschüttungen, energische Oberflächenbearbeitung und Verwischungen lässt die Malerin eine Vielschichtigkeit entstehen, die den Betrachter mit in die Tiefe nimmt. In vielen ihrer älteren Arbeiten ist noch ein deutlicher Bezug zur Landschaft zu finden, waagerechte Linien erinnern an einen Horizont, Ritzungen an Gräser oder Schilf. Der Frage auf der Spur, wieviel eine Landschaft wirklich braucht, um als solche zu erkennen zu sein, reduzieren sich diese Anleihen an Konkretes und es bleibt lediglich ein verdichteter Horizontbereich übrig. Neuerdings löst sich sogar dieses letzte Anzeichen auf; zurück bleiben sanfte Farbverläufe.
Einige Arbeiten erinnern durch ihre schwebende, geheimnisvolle Ausstrahlung an eine Lichtstimmung von Morgen- oder Abenddämmerung, wie sie in Gemälden des Romantikers Caspar David Friedrich zu finden sind. Das besondere Geheimnis ihrer Arbeiten scheint in diesem Schwebezustand zu liegen. Denn in ihren Arbeiten geschieht immer beides: das Ritzen und dann wieder Zunähen der Leinwand, das Auflösen des Horizontes und seine verändertes Wiederauftauchen, das Dunkle und das Helle.
Bettina Hachmanns Bilder sind abstrakt und gehen noch weiter: auch die Materialien sind nicht mehr erkennbar. Auf die Frage: woraus besteht dieses Bild? gibt es für das Auge keine sichere Antwort. Die Formgebung, die Stofflichkeit selbst sind das Thema. Graphitplatte oder Leder klingen an, Stofflichkeiten haben sich verändert. Diese Wirkung entsteht durch Verwendung von Graphitstaub, Schellack und Bienenwachs zusätzlich zum Grundmaterial Acrylfarbe. Ihren Materialien widmet sie sich mit größtem Interesse. Sie experimentiert mit ihnen, erforscht ihre spezifischen Strukturen, und verwendet verschiedene Untergründe wie Leinwand und Holzplatte. Auch Papier dient als Grundlage, das sie in mehreren Schichten mit Farbe bearbeitet, poliert und dadurch eine ganz andere Materialität entwickelt, es verfremdet.
Technisch geht sie mit Schichtungen vor, bis zu 16 Schichten liegen auf der Leinwand oder dem Papier, wobei sie die Farbe immer wieder auswäscht, indem sie Wasser aufsprüht und dann wegreibt. Collagenartig trägt sie Papier- oder Spachtelmasse auf, wobei die reliefartigen Erhebungen an Verkrustungen erinnern. Wieder soll nicht erkennbar sein, was verarbeitet wurde. Auch die Verwendung von Bienenwachs als Farbschicht, den sie seit 2009 einsetzt, hat eben diesen verfremdenden Effekt.
Die Künstlerin kennt ihre Materialien und ihre Techniken durch jahrelange Erfahrung und weiß um ihre Wirkung. Die Technik des Einritzens in die Farbschichten, z.B. in den Schellack ist vergleichbar mit dem Ritzen der Platten für Radierungen. Ihre Herangehensweise ist eine stille, bevor sie beginnt, tut sie einfach eine Zeitlang nichts, denn „Zeit, in der nichts passiert, ist nicht Zeit, in der Nichts passiert.“ Nichts ist geplant oder festgeschrieben, erst im Prozess des Bearbeitens entfaltet sich für die Künstlerin ein mögliches Resultat. Ihre Arbeiten haben konsequenterweise keine Titel.
Ein weiteres Element sind Kratzungen in die Farbe oder Schnitte in die Leinwand. Diese Einschnitte in die Bildfläche assoziieren einerseits Verletzung und gleichzeitig eröffnen sie eine zweite Ebene hinter der Bildfläche. Je nachdem wie weit man von diesen Arbeiten entfernt ist, erscheint diese zweite Ebene von schwarzen Öffnungen optisch jedoch vor der Bildfläche zu liegen, sie scheinen hervorzutreten. Die offene Frage nach dem Material und die Zweideutigkeit der Räumlichkeit sind Elemente des Geheimnisvollen, des Nicht-Eindeutigen in ihren Arbeiten. Die Einschnitte sind Ausdruck des Themas Verletzung und Heilung, das die Künstlerin durch die Verwendung von Gaze, dem Material für Verbände, weiter ausführt. Großflächig aufgebracht fügt Gaze eine andere Textur hinzu, die die Einschnitte überdeckt. In einigen Arbeiten hat sie die Wunden in der Leinwand mit Nadel und Faden vernäht. In anderen Werken sind die Einstiche noch zu sehen, der Heilungsprozess ist jedoch schon soweit fortgeschritten dass, so sagt sie „die Fäden schon gezogen sind“.
Bettina Hachmanns Bilder beanspruchen Zeit für eine Auseinandersetzung. Erst dann können die Künstlerin und der Betrachter präsent sein für das Geheimnis ihrer Arbeiten. Ihre Malerei ist dort am stärksten, wo sie keinen Halt bieten für unser Auge und unseren Verstand, wo sie ins Nichts weisen, in die Tiefe gehen, unseren Blick entleeren. „Nichts“ ist für Bettina Hachmann die Abwesenheit jeglicher Erwartungen, ein kontemplativer Zustand, in den ihre Malerei versetzen will und kann.
Auswahl
| 2018 | Galerie Flow Fine Art, Hitdorf am Rhein |
| 2017 | “Silent Spacious Landscape” Galerie Stötzel-Tiedt, Goslar (G)ARTMUC Kunstmesse München, vertreten durch Art for Africa |
| 2016 | Galerie Bernd Bentler Bonn (E) |
| 2015 | “Through the Night…” Galerie Duo, Bad Godesberg (E) |
| 2014 | Galerie Schürmann |
| 2013 | Galerie Dalype Kultur Helnæs Gl. Præstegård, Dänemark |
| 2012 | Galerie Flow Fine Art, Hitdorf am RheinProjekt “Rondom”, Marokko, 2011 – Autour du Maroc |
| 2011 | “Ausstellung deutscher und niederländischer Künstler, Lokales Museum Agadir und Galerie Bastion Bab Marrakech, Essaouira, Marokko |
| 2010 | „Until now…“, Galerie Duo, Bonn and Bad GodesbergGalerie Kocken, “New and Confidant”, spezielle Ausstellung im Kabinet des Niederrheinischen Museums, Kevelaer |
| 2009 | „Silver Lining“, In Glaskarree, Kunst Club Bad Godesberg |
| 2008 | “Light-Shaft”, “Shaft IV”, Industrielles Museum in Zeche, Rheinpreußen |
| 2007 | Galerie Schürmann, Kamp-Lintfort |
| 2007 | Galerie Kocken, Kevelaer (E) |
| 2006 | „Mainly Landscape“, Lokales Museum Issum |







